Haben meine Bienen eine Vergiftung?

Unsere Bienen sind extrem auf eine gesunde und schadstofffreie Umwelt angewiesen. Werden in ihrem Umfeld Pflanzenschutzmittel eingesetzt, werden die Bienen schnell vergiftet. Schon kleine und kleinste Mengen von Pflanzenschutzmitteln können bei den Bienen verheerende Folgen haben.

Bei einem unserer Imker trat im Sommer 2019 eine auffällige Häufung toter Bienen vor der Beute auf. Zudem zeigten die Flugbienen ein seltsames Verhalten am Flugloch. Die Flügel zitterten und die ankommenden Bienen schienen desorientiert, anstatt wie sonst zielstrebig im Loch zu verschwinden.

Imkerkollegen wollten diesen Beobachtungen auf den Grund gehen und machten sich auf die Suche nach einer möglichst kostenfreien Analyse. Nach einiger Zeit und Recherche im Netz wurden sie fündig: Das Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen – Institut für Bienenschutz) in Braunschweig bietet die Möglichkeit, Bienen auf Vergiftungen hin kostenfrei zu untersuchen. Zwei wichtige Erkenntnisse gleich vorab: Zuerst sollte der Obmann für Bienengesundheit des jeweiligen Vereins informiert werden und die Bienenproben für die Analyse müssen innerhalb von 24 Stunden genommen werden!

Untersuchung auf Bienenvergiftung beim Julius Kühn-Institut

Für die Untersuchung werden ca. 1.000 Bienen benötigt (100 g bzw. 0,5l) und wenn möglich 100 g Pflanzenmaterial der verdächtigen Fläche. Die Bienen sollten möglichst ohne Schimmel und frei von Verunreinigungen wie Gras oder Erde sein. Für die Details gibt es ein Merkblatt auf den Seiten des Instituts.

Begleitend zu den Proben muss ein zweiseitiger Antrag ausgefüllt werden, der unter anderem die Beschreibung des Schadens, Brutstadien, Varroabehandlungen und Fütterung abfragt.

Bei unserem betroffenen Imker konnte mit der Analyse eine gewisse Konzentration an Neonikotinoiden nachgewiesen werden. Diese Nervengifte wirken besonders auf die Nervenzellen von Insekten.

Warum wir Auffälligkeiten systematisch untersuchen lassen sollten

Es gibt mehrere Gründe, warum Imker im Land Brandenburg (und in anderen Bundesländern) Auffälligkeiten bei ihren Bienen untersuchen lassen sollten:

  1. Auch wenn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln „eigentlich“ bienenverträglich geregelt ist, kommt es immer wieder vor, dass Landwirte außerhalb dieser Zeiten oder Wachstumsphasen der Pflanzen behandeln und damit nicht nur die unerwünschten Insekten, sondern auch Nützlinge wie die Bienen treffen. Über das Ausmaß der Regelverletzung sollte ein besseres Bild mit belegbaren Analysen erstellt werden, um wirksame Gegenmaßnahmen zu planen.
  2. Die Ergebnisse unseres Imkers haben gezeigt, dass schon kleinste Konzentrationen von Neonikotinoiden Bienen schädigen. Selbst wenn der Landwirt nicht gespritzt hat, sind diese Stoffe in den Pflanzen vorhanden: Saatgut wird mittlerweile mit einer sogenannten „Beize“ versehen, die Schädlingsbekämpfungsmittel enthält und mit dem Keim von der Pflanze aufgenommen wird. Die Stoffe sind dann in der Pflanze wirksam. Wie viel davon dann in den Nektar oder die Guttationstropfen am Blattrand gelangt, ist bisher noch nicht ausreichend belegt. Auch hier kann eine systematischere Einsendung auffälliger Bienen an das Institut dazu beitragen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
  3. Und zu guter Letzt müssen wir auch die Sensibilität dafür vergrößern, was der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im privaten Bereich zum Beispiel im Kleingarten an schwerwiegenden Nebenwirkungen haben kann – und die Bevölkerung dazu anregen, auf Chemikalien im Garten zu verzichten.

Informationen und Anträge finden sich auf den Seiten des Instituts.